Mit etwas Abstand möchte ich nun die beliebte RegioShuttle-Serie fortführen. Daß ich diese oft verschmähten Fahrzeuge gerne fotografiere, ist kein Geheimnis – und die Strecken, auf denen sie fahren, bieten oft noch eine breite Motivvielfalt.
Anfang September 2025 hatte ich Urlaub und nachdem keine Auslandstour anstand, entschied ich mich, unser Nachbarbundesland aufzusuchen. Die eigentlich schon vor Jahrzehnten vom Personenverkehr befreiten Strecken Altshausen – Pfullendorf („Räuberbahn“) und Stockach – Mengen („Biberbahn“) erleben seit einigen Jahren eine Renaissance im bestellten Ausflugsverkehr an Sommerwochenenden. Ein wunderbarer Beitrag des Landes Baden-Württemberg zum Infrastrukturerhalt, wo sich auch das Land Bayern ruhig mal eine Scheibe abschneiden könnte. Auf der Räuberbahn gibt es zusätzlich noch an Samstagen einen nicht vom Land bestellten Verkehr, der unter dem Namen „Bürgerbahn“ mit ehrenamtlichem Personal läuft und genau das wollte ich mir dann am 06.09. ansehen. Doch der Reihe nach, denn nach einer Vorabübernachtung in Pfullendorf führte mich mein Weg zunächst nach Birnau an die Bodenseegürtelbahn. Bereits 2005 hatte ich von der dortigen Klostermauer ein Bild auf die Strecke und den Bodensee gemacht, das ich nun endlich auch mit einer vernünftigen Digitalkamera wiederholen wollte.
- Zwei LINT sind am frühen morgen auf dem Weg von Radolfzell nach Friedrichshafen.
- Der Blick in die andere Richtung hat zwar kein Frontlicht, bringt dafür aber die Alpen ins Bild. Der einzelne 650 stellt in Sachen Kapazität einen heftigen Gegensatz zum LINT-Doppel dar.
Anschließend ging es wieder zurück Richtung Pfullendorf, denn das erste Zugpaar des Tages der Räuberbahn stand an. Der heute noch existierende, 25km lange Streckenabschnitt Altshausen – Pfullendorf war einst Teil der 41km langen Verbindung Altshausen – Schwackenreute. Eröffnet bereits 1873 bzw. 1875 stellte die Bundesbahn schon 1971 den Personenverkehr auf der Gesamtstrecke und 1983 auch den Güterverkehr westlich von Pfullendorf ein. Der Abschnitt Pfullendorf – Schwackenreute wurde in den Folgejahren abgebaut. Im östlichen Abschnitt Altshausen – Pfullendorf lief der Güterverkehr noch bis 2002. Doch statt einer Stillegung kam es zur Reaktivierung: Die Stadt Pfullendorf und die Gemeinde Ostrach übernahmen die Infrastruktur und ab 2009 wurden die ersten Sonderzüge angeboten. Seit 2011 gibt es regelmäßigen Ausflugsverkehr. Zwischenzeitlich hat sich auch wieder gelegentlicher Güterverkehr etabliert. Ein Förderverein unterstützt die Entwicklung der Strecke.
Jetzt aber wieder zur den Bildern. 😉
- Der kleine Ort Burgweiler hat bis heute sein schönes Empfangsgebäude behalten. 650 012 war am 06.09.25 als Bürgerbahn unterwegs nach Altshausen.
- Hinter Ostrach, dem heute nach Pfullendorf zweitgrößten Ort an der Strecke läßt sich gut die hauptbahnartige Trassierung der Strecke erkennen.
- Altshausen ist erreicht. Das Empfangsgebäude liegt als Keil zwischen den Strecke nach Herbertingen und Pfullendorf. Nicht zu übersehen auch die regelmäßig stattfindende Holzverladung.
- Auch Ostrach hat noch ein hübsches, gepflegtes Bahnhofsgebäude.
- Aufgrund der leider recht niedrigen Höchstgeschwindigkeit lassen sich die Fahrten gut mit dem Auto verfolgen: Hier befindet sich der Zug kurz vor Pfullendorf.
- Das letzte Zugpaar des Tages dann wieder in der langen Geraden bei Ostrach.
- Bereits kurz vor Burgweiler war der Shuttle wieder eingeholt.
- Wiederum kurz vor Pfullendorf konnte ich die Bürgerbahn ein weiteres Mal erwischen.
- Endhaltepunkt Pfullendorf: Der eigentliche Bahnhof war leider nicht Teil des Reaktivierungsprojekts und wurde 2009 rückgebaut.
In der mittäglichen Zugpause wechselte ich kurzerhand für zwei Motive an die Strecken Radolfzell – Stockach bzw. Radolfzell – Friedrichshafen.
- Das Motiv mit der Kirche von Wahlwies hatte ich schon länger auf meiner Liste – jetzt hat es endlich geklappt, wenn mir auch die Landesdesign-Shuttles nicht so gut gefallen wie die roten.
- Morgens noch auf der Klostermauer, am Nachmittag dann unten: Das Kloster Birnau mit zwei LINT.
Am nächsten Tag hatte ich dann die Biberbahn (oder auch Ablachtalbahn) auf meinem Programm. Die 56km lange Strecke Radolfzell – Stahringen – Stockach – Meßkirch – Mengen wurde zwischen 1867 und 1873 eröffnet. Während der erste, sieben Kilometer lange Abschnitt bis Stahringen mittlerweile Teil der Bodenseegürtelbahn Richtung Friedrichshafen ist, wurde auf dem nördlichen Streckenteil der Personenverkehr in mehreren Etappen zwischen 1954(!) und 1982 eingestellt. Im Abschnitt Krauchenwies – Mengen kam es bereits 1960 zur Gesamtstillegung und Abbau der Strecke. Auf Betreiben der Firma Tegometall Krauchenwies erfolgte allerdings 1986 ein Wiederaufbau dieses Streckenabschnittes! Desweiteren konnte Tegometall 2004 die Infrastruktur zwischen Mengen und Stockach übernehmen und somit die (zum Teil erneute) Stillegung verhindern. Bis heute wird die Firma im Güterverkehr bedient.
Der südliche Streckenabschnitt Stahringen – Stockach konnte auch im Zuge der Regionalisierung 1996 im täglichen SPNV reaktiviert werden (siehe obenstehendes Bild aus Wahlwies), auf der 39km langen Strecke zwischen Stockach und Mengen abgesehen von der Bedienung der Firma Tegometall lange Jahre gar kein Verkehr mehr. Durch Übernahme der Infrastruktur durch ein kommunales Unternehmen unter Federführung der Orte Meßkirch und Sauldorf 2021 konnte aber schließlich auch hier ein saisonaler Wochenend-SPNV etabliert werden, der unter dem Namen Biberbahn vermarktet wird. Der Förderverein Ablachtalbahn e.V. bemüht sich desweiteren um die Reaktivierung im täglichen Verkehr – die Zeichen sind derzeit vorsichtig positiv zu deuten!
Ausflugsverkehr auf der Biberbahn
- Das stattliche Empfangsgebäude ist zum Teil eingestürzt, die Gleisanlagen nur noch ein kläglicher Rest der einstigen Größe: Der frühere Abzweigbahnhof Schwackenreute irgendwo im Nirgendwo.
- Wie man sieht hatte ich am 07.09. leider Arg mit Schleierwolken zu kämpfen: Die Biberbahn verläßt Meßkirch Richtung Mengen.
- Auch die Rückfahrt paßte ich wieder in Meßkirch ab. Vielleicht düsen hier eines Tages schnelle RE von Ulm zum Bodensee unter Oberleitung vorbei?
- Idyllisch geht es in Menningen-Leitishofen zu.
- Schließlich noch eine Aufnahme südlich von Krauchenwies – leider mit immer schlechter werdendem Licht.
Nachdem mir Fotografieren eigentlich nur mit richtiger Sonne gefällt, brach ich die Tour an dieser Stelle ab und fuhr noch eine Runde in der ebenfalls verkehrenden Räuberbahn mit. Aber: Ich komme wieder!


















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